Einleitung:

Schimmel entsteht nicht über Nacht – und selten aus Zufall. Wer die Zusammenhänge zwischen Temperatur, Feuchtigkeit und Kondensation versteht, hat den Schlüssel zur Vermeidung mikrobiellen Wachstums in der Hand.

Doch wie genau hängen diese Faktoren zusammen? Was bedeutet “Taupunkt” in der Praxis wirklich? Und warum ist eine unscheinbare kalte Wandfläche oft der Ursprung von teuren und gesundheitsschädlichen Bauschäden?

In diesem ersten Teil unserer neuen Fachreihe geben wir fundierte Antworten – praxisnah, verständlich und direkt aus dem Alltag eines Experten für Thermohygrologie.



Kapitel 1: Absolute vs. Relative Luftfeuchtigkeit – Was wirklich zählt

Die Luft in Innenräumen enthält nahezu immer Wasserdampf – ob sichtbar oder nicht. Doch entscheidend ist nicht nur wie viel, sondern wie viel im Verhältnis zur Temperatur.

Absolute Feuchtigkeit

Die absolute Luftfeuchtigkeit beschreibt den tatsächlichen Wassergehalt der Luft in Gramm pro Kubikmeter (g/m³). Sie gibt also den realen Wasseranteil an und ist nur bei Temperaturveränderungen relevant.

Relative Feuchtigkeit

Die relative Luftfeuchtigkeit (rF) hingegen zeigt, wie nah die Luft an der Sättigungsgrenze ist – also daran, kein weiteres Wasser mehr aufnehmen zu können. Gemessen wird sie in Prozent. Bei 100 % rF beginnt Kondensation.

Beispiel aus der Praxis:
Raumluft bei 20°C enthält 10 g Wasser/m³. Das entspricht ca. 58 % rF. Kühlt dieselbe Luft auf 12°C ab, steigt die rF auf ca. 95 % – und kritische Bedingungen für Kondensation entstehen.



Kapitel 2: Temperatur & Feuchtigkeit – Eine trügerische Beziehung

Wärme und Feuchtigkeit sind untrennbar verbunden. Die Speicherfähigkeit von Luft für Wasserdampf steigt mit der Temperatur. Umgekehrt kann kalte Luft kaum Feuchtigkeit halten. Diese Tatsache ist entscheidend für die Praxis:
• Wärmere Luft = kann mehr Wasserdampf halten → relative Feuchte sinkt
• Kältere Luft = weniger Wasserdampf möglich → relative Feuchte steigt

Alltagstaugliches Szenario:
Ein Raum ist auf 22°C beheizt, relative Luftfeuchtigkeit liegt bei 60 %. Hinter dem großen Schrank an der Außenwand herrschen aber nur 15°C – dort steigt die rF schnell auf über 85 %, ohne dass es jemand bemerkt.

Ergebnis: Ein schleichender Feuchteschaden unter der Tapete, der Monate unbemerkt bleibt.



Kapitel 3: Der Taupunkt – Der unsichtbare Wendepunkt

Der Taupunkt ist der kritische Moment: Es ist die Temperatur, bei der die Luft mit Wasserdampf gesättigt ist – sprich 100 % rF erreicht werden. Wird dieser Punkt unterschritten, kann die Luft das Wasser nicht mehr halten: Kondensat bildet sich.

Wichtige Fakten:
• Der Taupunkt hängt direkt vom Wassergehalt der Luft ab
• Je höher die Feuchtigkeit, desto höher liegt der Taupunkt
• An kalten Oberflächen entsteht zuerst Kondensat

Typische Orte für Taupunktüberschreitungen:
• Fensterunterseiten
• Zimmerecken „außen-außen“
• Hinter Schrankrückwänden
• Unbeheizte Nebenräume mit Innendurchgang

Hinweis: In Mycosoft©LogData ist ein integrierter Taupunktrechner enthalten, der Messdaten direkt auswertet.



Kapitel 4: Die stille Gefahr – Wärmebrücken & kalte Flächen

Wärmebrücken sind Bereiche an der Gebäudehülle, an denen wärmeleitende Materialien wie Beton, Stahl oder schlecht gedämmte Fensteranschlüsse auftreten. Diese Zonen kühlen bei kalten Außentemperaturen deutlich stärker ab als die umliegenden Flächen.

Folge:
Die Oberflächentemperatur unterschreitet den Taupunkt – Kondensation, dann Schimmelbildung. Oft sind diese Flächen nicht sofort sichtbar betroffen, denn: Schimmel beginnt zu wachsen, bevor er sichtbar wird.



Kapitel 5: Warum Messen mehr bringt als Schätzen

Das Bauchgefühl vieler Bewohner ist oft trügerisch: “Es riecht gut, also ist es trocken.” Doch der menschliche Körper kann Feuchte nicht objektiv wahrnehmen.

Nur Messen bringt Klarheit:
• Infrarot-Thermografie: macht Oberflächentemperaturen sichtbar
• Oberflächenthermometer: punktgenaue Temperaturerfassung
• Datenlogger: erfassen kontinuierlich Temperatur und Luftfeuchte über Tage und Wochen

Mit solchen Daten lassen sich nicht nur akute Probleme erkennen, sondern versteckte Schäden präventiv vermeiden.



Fazit & Ausblick

Schimmelbildung ist kein Zufall, sondern das Ergebnis physikalischer Prozesse. Wer die Zusammenhänge von Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Taupunkt versteht, kann Risiken erkennen, bevor sie zum Schaden werden.
Mit der Kombination aus fundiertem Wissen, professioneller Messtechnik und der richtigen Software entsteht ein starker Werkzeugkasten gegen feuchtebedingte Bauschäden.

Konto erstellen und direkt starten

Alle Funktionen kostenlos testen – keine Zahlungsdaten nötig.

Kostenlos registrieren